Können Hände lügen? – „Hands don’t lie.“

Perkussionist Hannes Vonmetz im Schweriner E-Werk

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Von Til Rohgalf

Der erst 22-jährige Südtiroler Perkussionist Hannes Vonmetz gastierte zusammen mit dem Pianisten Çya Bazzaz am vergangenen Donnerstag in der Landeshauptstadt. Gut gelaunt und mit viel Spielfreude führte Hannes Vonmetz durch ein vielseitiges und ungewöhnliches Programm. Kommunikation war das Motto, war die inhaltliche Klammer der Stückauswahl und die beiden Musiker kommunizierten spür- und hörbar gern mit dem Publikum. Dass die Interaktion mit Percussions auf der Bühne vor allem auch eine performative, manchmal sogar akrobatische Seite hatte, stellte Hannes Vonmetz von Beginn an klar: Mit dem Werk “Canto Diviso” von Eduard Demetz begann der Abend zumindest unerwartet, denn das Stück ist für Tonband und Performance komponiert. Vonmetz ging „Luftschlagzeug“ spielend mit der Percussion vom Tonband der Frage nach, ob Musik Bewegung ist und ab wann Bewegung zur Musik wird. Stücke für Solo-Percussion, wie “Asventuras” von Alexej Gerassimez oder die Eigenkomposition und Uraufführung “Hands don’t lie”, waren schweißtreibende Performances. Auch wenn er sich instrumentalisch bewusst auf eine Marimba, eine kleine Trommel und ein Tamburin beschränkte, überzeugte Hannes Vonmetz mit akrobatischen “Drumtricks” und performativen Showeinlagen. 

Im Stück “Gravity” von Oliver Korte, das den Mythos von Daedalus und Ikarus zum Inhalt hat, arbeiteten Hannes Vonmetz und Çya Bazzaz zeitweilig mit ungewöhnlichen Mitteln der Klangerzeugung: Çya Bazzaz nutzte einen E-Bow, um die Saiten seines Flügels elektromagnetisch in Schwingung zu versetzen. Hannes Vonmetz bespielte Tasten seiner Marimba mit einem Kontrabassbogen, um Sounds zu produzieren, die mit seinem Pfeifen klanglich verschmolzen. Ein spannender Kontrapunkt im wohldurchdachten, ansonsten aber vor allem rhythmisch dominierten Musikabend.

Dass mit dem “Vals Venezolano” von Antonio Lauro und Sätzen aus dem „Colombian Marimba Concerto“ von Sergei Golovko ein wichtiger Schwerpunkt auf Musik lateinamerikanischen Ursprungs lag, war kein Zufall, wie Hannes Vonmetz auf der Bühne ausführte: Ein Großteil der Perkussionsinstrumente stamme aus dieser Region und selbst Stücke, die nicht für die Marimba komponiert sind – wie der Walzer des Gitarristen Antonio Lauro – ließen sich aufgrund ihrer musikalischen Eigenschaften überzeugend adaptieren. Neben den Goldberg-Variationen am Solo-Klavier – ein weiterer stilistischer Kontrapunkt des Abends – waren dies die musikalisch vielleicht am schnellsten zugänglichen Stücke des Konzerts. Çya Bazzaz am Klavier und Hannes Vonmetz an der Marimba harmonierten dabei sowohl klanglich als auch in persona auf der Bühne im besonderen Maße – ihre Performance war von routinierter Präzision und unmittelbarer Spielfreude geprägt.

Das Publikum im nahezu ausverkauften E-Werk honorierte das Konzerterlebnis mit langem und begeistertem Applaus und entließ die beiden Musiker erst nach einer Zugabe. Neben der überzeugenden und in Teilen außergewöhnlichen Performance war es auch die das Standardrepertoire hinter sich lassende Werkauswahl, die dieses Konzert zu einem besonderen Abend im Rahmen der Festspiele MV machte.

Titelfoto: Hannes Vonmetz (© 2026 Hannes Vonmetz)

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Til Rohgalf studierte Sonderpädagogik, Philosophie und Geschichte (M.A.), er ist im Schuldienst tätig, musikbegeistert und musikalisch aktiv. Ihn interessieren politische, kulturelle und geistesgeschichtliche Themen.
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