Music is everywhere – vom Möglichen und Unmöglichen der Komposition

Percussionist Hannes Vonmetz mit Pianist Çya Bazzaz im Schweriner E-Werk

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Von Til Rohgalf

Stücke und Adaptionen für Percussion und Klavier – dieses ungewöhnliche Konzertprogramm ist Ende Juli im Rahmen der Festspiele MV zu hören. Hannes Vonmetz ist erst Anfang zwanzig, für sein Spielen wurde er aber bereits bei Wettbewerben wie dem American Classical Young Musician Award oder dem South African Marimba and Steelpan Festival ausgezeichnet. 2024 debütierte er mit einem Solostück in der Berliner Philharmonie. Konzerte führten ihn zum Schleswig-Holstein-Musikfestival oder ins Wiener Konzerthaus. Beim anstehenden Schweriner Konzert im Rahmen der „Junge Elite“-Reihe begleitet Hannes Vonmetz der Berliner Komponist und Pianist Çya Bazzaz. Dem Kulturkompass MV beantwortete Hannes Vonmetz Fragen zu seinem Werdegang und zum anstehenden Konzert.

Die Weichen für seinen musikalischen Werdegang wurden früh gestellt: Aufgewachsen am Ritten in Südtirol in einer musikalischen Familie – seine Eltern musizierten in der Musikkapelle Waidbruck –, begann Hannes Vonmetz mit Kochtöpfen, bevor er mit drei Jahren an die Musikschule kam. Nach einem kurzen Abstecher in die Rockmusik stand für ihn mit vierzehn die Entscheidung fest: Die Musik sollte sein Beruf werden. Er wechselte an die Hochschule für Musik in Bozen. Mit siebzehn nahm er Privatunterricht bei seinem heutigen Professor, um sich frühzeitig für ein Studium in Berlin, seinem heutigen Lebensmittelpunkt, zu qualifizieren. Seit 2023 studiert Hannes Vonmetz an der Berliner Universität der Künste in der Solistenklasse von Simone Rubino

Nüchtern und abgeklärt beschreibt der Musiker sein künstlerisches Selbstverständnis: „Während ich anfänglich dachte, die Klassik sei die Weltrettung der Musik, betrachte ich sie heute als meinen intellektuellen Motor. Sie zwingt mich durch ihre Disziplin dazu, jeden Tag etwas Neues zu lernen – sei es historischer, struktureller, harmonischer, rhythmischer oder melodischer Natur.“ Das Schlagzeugspiel sei daneben ein „reines Handwerk“. „So wie ein Tischler jeden Tag Möbel baut, setze ich jeden Tag Noten neu zusammen und versuche, mich sowohl technisch als auch musikalisch weiterzuentwickeln.“

Auf ähnlich rationale Weise sei die Zusammenarbeit mit dem Pianisten Çya Bazzaz entstanden: „Als getriebener Hund in meiner Anfangszeit in Berlin arbeitete ich an meinem Debütprojekt. Ohne jemanden zu kennen, schrieb ich in meiner typisch ambitionierten Art verschiedene Pianistinnen und Pianisten an und erhielt über Professoren Kontakte zu Studierenden. Nach kurzem Sondieren stach Çya durch seine offene Art besonders hervor.“

Das Konzertprogramm für das E-Werk verhandelt thematisch die Suche nach Sprache – und Musik sei eine mögliche Sprache. Bei der Werkauswahl fällt die Vielseitigkeit ins Auge – auch wenn zeitgenössische Komponisten überwiegen: Die gemeinsam mit Çya Bazzaz entwickelte Komposition “Bunny-Korsakov für Tamburin und Klavier” und das Solo-Werk „Hands don’t lie für kleine Trommel“ stehen neben Stücken von Oliver Korte, einer Stückadaption des venezolanischen Gitarristen Antonio Lauro, einem Werk des deutschen Percussionisten Alexej Gerassimez oder Auszügen aus den Goldberg-Variationen von Bach. 

„Im Konzert treffen deshalb unterschiedlichste Klangsprachen aufeinander: elektronische Sounds, Schlaginstrumente, Klavier, aber auch Geräusche und Bewegungen ohne Instrumente. Gleichzeitig werden musikalische Welten miteinander verbunden – barocke und romantische Musik ebenso wie Jazz, lateinamerikanische Einflüsse, Pantomime, Artistik oder sogar Reggaeton von Bad Bunny“, erklärt Hannes Vonmetz. Als persönlich besonders bedeutsam hebt er seine Eigenkomposition „Hands don’t lie“, ein Solo-Werk für Percussion, hervor. 

Das sei das gewagteste Stück, das er bisher auf die Bühne gebracht habe: „Es ist ein permanenter Balanceakt zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, bei dem Artistik, Virtuosität und Präzision miteinander verschmelzen sollen.“ Passend hierzu beschreibt Vonmetz seinen eigenen Kompositionsstil mit einem Wort: „Kompromisslos.“ Ihn treibe beim Komponieren die Frage an, was möglich sei„und wie man es noch unmöglicher machen kann.“ Nach seiner Erwartung und Hoffnung gefragt, mit welchem Gefühl das Publikum aus seinem Konzert gehen mag, antwortet er programmatisch: „Music is everywhere“ – eben auch auf den Kochtöpfen, mit denen alles begann.

Alle Fotos: © Vonmetz
Zu erleben sind Hannes Vonmetz und Çya Bazzaz am Donnerstag, den 30. Juli, um 19 Uhr im Schweriner E-Werk

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Til Rohgalf studierte Sonderpädagogik, Philosophie und Geschichte (M.A.), er ist im Schuldienst tätig, musikbegeistert und musikalisch aktiv. Ihn interessieren politische, kulturelle und geistesgeschichtliche Themen.
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