Vom Krieg und seinen Schrecken

Aktuelle Ausstellung im Schweriner Dom

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Von Peter Scherrer


Zwei Skulpturengruppen polnischer Künstler präsentiert die Schweriner FreshEggs Gallery im südlichen Seitenschiff der Bischofskirche. Adriana Majdzińska ist mit „Die sieben Todsünden“ vertreten und Czesław Podleśny zeigt seine Reihe „Alte Helden mit Gefährten“. Beide arbeiten mit reduzierten und symbolträchtigen Formen.

Die aus dem pommerschen Słupsk stammende Adriana Majdzińska verwendet Holz, Metall oder Stein. Die sieben Todsünden sind Hochmut, Geiz, Zorn, Neid, Völlerei, Wollust und Trägheit. Die Bildhauerin fokussiert ihre Objekte auf einzelne Aussagen. Der zugeschnürte Sack mag für den Geiz stehen, der hängende Bauch für die Völlerei. In der Katholischen Kirche gehören die Todsünden zur offiziellen Lehre (Katechismus). Die Evangelische Kirche sieht Sünden eher symbolisch. Ausstellungsbesuchern stellt sich unwillkürlich die Frage: Welches Kunstwerk stellt welche der sieben Todsünden dar? Auch ein Hinweis am Infotisch: „Erkennen Sie die einzelnen der 7 Todsünden?” ermuntert die Besucher*innen zum genauen Hinschauen.

Czesław Podleśny, Bergarbeitersohn und 1959 im schlesischen Rybnik geboren, verbindet elektrische Schaltkästen, Schreibmaschinen, Fahrradsättel und andere gebrauchte Gegenstände zu metallenen Skulpturen. Sein Anliegen ist es, Heldenmythen zu demontieren. Das Hauptthema seiner Arbeit ist der heroische Mann. „Vermeintliche Helden haben für die falsche Sache gekämpft“, so Czesław Podleśny.

Czesław Podleśny will deutlich machen, dass sich Soldaten in dem Gefühl, Heroisches zu vollbringen, für nicht erkannte Kriegsziele instrumentalisieren lassen. Ermöglicht werde dieser Missbrauch von willfährigen Soldaten durch Schreibtischtäter, die wiederum selbst nützliche und dienende Weggefährten haben. Czesław Podleśny platziert neben seinen „Bürokraten“ treue Weggefährten. Hunde bieten sich an, folgen sie doch so häufig bedingungslos den Menschen. 

Den Skulpturen gegenübergestellt sind Originallithographien der ab 1914 wöchentlich erschienenen Zeitschrift „Kriegszeit“. Die Blätter dokumentieren die zu Beginn des Krieges vorherrschende patriotische Kriegsbegeisterung und die Verharmlosung des Militarismus. Im Kontrast dazu stehen Otto Dix’ Radierungen aus dem Zyklus „Der Krieg“ (1924). Dix, der den Ersten Weltkrieg selbst an der Front erlebte, schuf mit Hunderten von Zeichnungen eine authentische Dokumentation des grausamen Kampfes in den Schützengräben. Seine Kunst zeigt eindringlich und schonungslos den Horror des Krieges. Auch Otto Dix beschäftigte sich mit den sieben Todsünden und malte 1933 ein Bild mit gleichnamigem Titel.

Adriana Majdzińskas und Czesław Podleśnys Gegenwartskunst und die von Otto Dix künstlerisch verarbeitete historische Realität stellen Fragen nach den Ursachen von Kriegen. Die sakrale Umgebung der Ausstellung mag dazu beitragen, dass die Antworten womöglich im Grundsätzlichen, im Wesen des Menschen zu finden sind.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juli täglich von 11 bis 17 Uhr zu sehen. 
Alle Fotos: © Peter Scherrer

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