Maria Bertel experimentiert beim Detect Festival
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Von Til Rohgalf
Die dänische Posaunistin Maria Bertel spielt ihr Instrument elektronisch verstärkt und erschafft Klangräume, die zwischen Drones und Noise zu verorten sind. Live zu erleben ist sie auf dem Detect Classic Festival (7. bis 9. August) auf Schloss Bröllin im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Maria Bertel, 1980 geboren, wuchs im ländlichen Jütland auf. In einem Ort, wie Marie Bertel es einmal ausdrückte, der bis heute von einer eigenständigen Stoik und einer religiösen und sozial-konservativen Lebensweise geprägt sei, die zum Beispiel im pulsierenden Kopenhagen längst verschwunden ist. Ihre Leidenschaft für Klangexperimente entwickelte sich durch ihr eigenes Gespür, weniger durch Einflüsse oder eine formale Initiation von außen.
Zur Posaune kam sie eher durch Zufall: In ihrer Heimat habe es zwei Optionen gegeben: entweder in einer örtlichen Blaskapelle zu spielen oder Handball. Sie entschied sich für Musik, musste aber warten, bis ihre Arme lang genug waren, um die Posaune zu spielen. Nach dem Schulabschluss zog sie nach Aarhus, um einen Jazzkurs zu belegen. Von dort aus wurde sie an einem Konservatorium für ein formales Musikstudium angenommen. Später erwarb sie einen Master am RMC (Rhythmic Music Conservatory) in Kopenhagen. Seitdem arbeitet sie als Musikerin und Komponistin.

Prägnant ist ihr Stil auf ihrem Solo-Album „Monophonic“ (2024) zu hören: Maria Bertel verstärkt ihre Posaune durch einen Marshall-Bass-Verstärker. Diese sind bekannt für ihren „metallischen“ Sound, so dass sie mit ihrem Instrument ein ganz eigentümliches Klangbild entwickelt. Tracks wie der Opener „Sci-Fi“ erschaffen durch lang gehaltene, sich klanglich langsam entwickelnde Töne einen drone-artigen Höreindruck. Maria Bertel versteckt sich nicht hinter Effektschleifen und Soundwänden, ihre konzeptionelle Herangehensweise ist, wie der Albumtitel andeutet, technisch minimalistisch. Hierdurch entsteht ein sehr direktes, unmittelbares und nuanciertes Klangerlebnis.
Mithilfe ihres Bass-Verstärkers macht Maria Bertel zudem alle Elemente des Spielprozesses unmittelbar hörbar, die sonst im Hintergrund verborgen bleiben: Atem, das Klappern des Metalls, kleinste Bewegungen und Reibungen im Instrument werden zu vollwertigen musikalischen Elementen.

In Tracks wie „Invisible Host“ entstehen kaum vorhersehbare, manchmal chaotische Geräuschfetzen, die an das Noise-Genre erinnern. Maria Bertels Intention ist aber eine gänzlich andere als die vieler Noise-Künstler*innen: Es geht ihr nicht um das Ausloten auditiver Extreme oder um Hör-Grenzerfahrungen. Vielmehr macht sie mit Hilfe der elektronischen Verstärkung Teile des Spielprozesses hörbar, die sonst im Verborgenen blieben. Und anders als viele noisige Klangkaskaden, die mit vielschichtigen Geräuschwänden arbeiten, bleiben Maria Bertels Exkurse klar fokussiert, organisch, fast haptisch.
Die Posaunistin ist nicht nur solo zu hören: Ebenfalls 2024 ist das Album „Knækket Smil“ (dt. gebrochenes Lächeln) zusammen mit der in Paris lebenden Gitarristin Nina Garcia erschienen. Beide Künstlerinnen loten auf ähnliche Weise unter Nutzung eines bewusst minimalistisch gehaltenen technischen Settings Facetten und Nuancen ihrer Instrumente aus. Sie spielt u.a. im Kopenhagener Quartett Selvhenter, das neben Bertels aus den beiden Schlagzeugerinnen Jaleh Negari und Anja Jacobsen sowie der Saxofonistin Sonja LaBianca besteht.
Maria Bartels Stil, ihre Klangforschung im Mikrokosmos Posaune, wird dem Motto des diesjährigen Detect Classic Festivals, „Fokus“, mehr als gerecht.
Titelfoto: @Thor Egil Leitrø, 2019
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