Schwerin ehrt kreative Köpfe mit dem Kunst- und Kulturpreis 2025

Von Peter Scherrer

Rund dreihundert Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zum Neujahrsempfang der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin und der Landeshauptstadt Schwerin ins Theaterzelt am Franzosenweg. Traditionell wurde an diesem Abend auch der Kunst- und Kulturpreis der Sparkassen-Stiftung verliehen – in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal.

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis wurde zu gleichen Teilen an Sabine Klemm, Initiatorin der Stolperstein-Initiative Schwerin, an den Bildhauer Nando Kallweit sowie den Künstler Tino Bittner vergeben. Im Mittelpunkt stand das Thema „Kunst im öffentlichen Raum“. Eine Fachjury hatte die drei Ausgezeichneten aus zehn Vorschlägen ausgewählt. Überreicht wurden die Preise von Sparkassenvorstand Kai Lorenzen und Vorstandsmitglied Björn Mauch.

Erinnerung im Straßenbild: Sabine Klemm

Sabine Klemm wurde für ihr langjähriges Engagement in der Stolperstein-Initiative geehrt. Ins Pflaster eingelassene Betonsteine mit einer beschrifteten Messingplatte erinnern an Menschen aus Schwerin, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. Heute gibt es 98 Stolpersteine in der Stadt sowie eine Stolperschwelle, die auf die nationalsozialistischen Medizinverbrechen in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg aufmerksam macht.

Stolperschwelle Wismarsche Straße 298e (Foto: @Christian Michelides)

„Jede Verlegung braucht viel Forschung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit – und jedes Mal werden Menschen aufmerksam, die ähnliche Schicksale in ihrer Geschichte entdecken“, erklärte Klemm. Die Schweriner Initiative arbeitet von Beginn an eng mit Schulprojekten zusammen und nutzt digitale Angebote wie die Stolperstein-App, um jüngere Generationen zu erreichen.

Kunst zum Anfassen: Nando Kallweit

Der Schweriner Bildhauer Nando Kallweit begeistert seit Jahren mit Skulpturen, die den öffentlichen Raum prägen. Zu seinen Werken zählen die drei roten Frauenfiguren „Stolz, Wehrhaftigkeit und Fruchtbarkeit“ am Ostorfer See, die „Großen Blumen“ am Ortseingang Schwerins und die Wasserskulptur in Neumühle.

„Grazien“ Skulpturen am Ostorfer See von Nando Kallweit (Foto: Tmv23 wikicommons)

Besonders bekannt ist sein Werk „Nandolino“, der Glücksdrache am Südufer des Pfaffenteichs. Die ursprüngliche Holzskulptur wurde 2025 durch eine Bronzenachbildung ersetzt. Zur feierlichen Enthüllung kamen zahlreiche Kinder aus Schweriner Kitas. „Es war eine unglaublich schöne Veranstaltung – mit viel Spaß und Kindern aus unterschiedlichen Nationen. Dafür steht Schwerin“, sagte Nando Kallweit, sichtlich bewegt.

Lebendige Wände: Tino Bittner

Der freie Künstler Tino Bittner erhielt den Preis für sein Fassadenprojekt Aller Hand. Mit großformatigen Wandbildern verwandelt er Hausfassaden und Plätze in farbige Begegnungsstätten. Das Projekt verbindet historische Motive mit zeitgenössischer Gestaltung.

Tino Bittners Arbeiten laden zum Verweilen und Nachfragen ein. Passanten bleiben stehen, kommen ins Gespräch – Kunst wird zu einem sozialen Erlebnis im Stadtalltag. Ich plane bereits die vierte Wandmalerei der Serie Aller Hand, verriet Bittner bei der Preisverleihung. Wo sie entstehen wird, ließ er noch offen – die Finanzierung wird voraussichtlich über Crowdfunding laufen.

Feierlicher Abend im Theaterzelt

Die Preisverleihung moderierte Dörthe Graner professionell und kurzweilig. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten die Vorjahrespreisträgerin, die Mezzosopranistin Sophia Maeno und der Dirigent der Staatskapelle, Martin Schelhaas, am Klavier. Die Ballettschule „Tanz-Zeit“ von Jana Lück-Pusch berührte das Publikum mit einer gekonnten Darbietung der jungen Schülerinnen. Die Schweriner Jazzkombüse gestaltete den musikalischen Ausklang.

Der Kunst- und Kulturpreis würdigt jährlich Menschen, „die das kulturelle Leben Schwerins prägen und bereichern“. In diesem Jahr wurde deutlich, dass kulturelles Engagement im öffentlichen Raum in vielfacher Weise wirken kann.

Titel: v.l.n.r. Sparkassenvorstand Kai Lorenzen, Tino Bittner, Sabine Klemm, Nando Kallweit und Vorstandsmitglied Björn Mauch. (Titelfoto und Galerie Aller Hand: @Peter Scherrer)

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