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Von Christian Franke
Was haben Winkekatzen, mecklenburgische Landschaften und japanische Geishas gemeinsam? Alle sind zu sehen in der aktuellen Ausstellung von Evelyn und Egbert Buchberger in den Schweriner Höfen und dort fügen sie sich zu einem überraschend stimmigen Ganzen. So vielfältig die Materialien sind, mit denen das Künstlerpaar arbeitet, so facettenreich zeigen sich ihre Wahrnehmungen der nahen Heimat wie auch der Ferne.
Am Eingang zur Ausstellung begrüßen kleine Winkekatzen den Besucher. Sie stehen als Symbol für Wohlstand und Glück. Hier sollen sie Interessierte in den Austausch mit Kunst und Künstlern bringen. Es gehe ihnen um die Belebung der Schweriner Höfe, sagt Egbert Buchberger. Kunst wollen sie nahbar und zugänglich machen. Beide führen und begleiten Interessierte durch ihre Ausstellung und beleben ihre Kunst mit kleinen Anekdoten zu den jeweiligen Werken.

Fotografien von Geishas dienen ihnen dazu, tiefer in die ästhetische Welt des Künstlerpaares vorzudringen. Es ist die Ästhetisierung des Alltags, sagt Evelyn Buchberger, die sie an Japan reizt: das Konzept des Wabi-Sabi, das sich als philosophische Haltung beschreiben lässt, die Schönheit im Unvollkommenen, Vergänglichen und Einfachen sucht. Auch die Geishas verkörpern einen ästhetischen Habitus. Dieses Ideal wird als Iki bezeichnet und meint, dass man sowohl von der Bitterkeit als auch von der Süße des Lebens probiert hat. Die Metapher findet sich auch im Shokuhin Sanpuru (Fake Food) auf dem Tisch neben den Porträts. Selbst das Essen wird hier zum Kunstwerk erhoben.
Die philosophische Haltung des Wabi-Sabi lässt sich in den Gemälden von Evelyn Buchberger wiederfinden. Ihr Auge fällt in vielen Gemälden auf einfache Landschaften und Gebäude Mecklenburg-Vorpommerns. Es sind die Farben und die Bewegtheit der Bilder, die aus dem Einfachen Erhabenes machen – und nicht die mimetische Reproduktion des Gesehenen. Ausgestattet mit Staffelei, Acrylfarben und Spachteln begibt sie sich in die Szenerie der Einfachheit. Dabei gelingt es ihr durch die Farbauswahl und die Führung des Spachtels, die eigene emotionale Verfasstheit auf die Leinwand zu bringen. So finden sich häufig dominierende Farbtöne in den Bildern, die die Rauheit, die Wärme, das Vergessene, das Übersehene, aber eben auch die eigene Bewegtheit aufgreifen. Insgesamt hat man als Betrachter der Bilder nicht nur das Gefühl, Teil der Landschaft zu werden, sondern gleichsam eine emotionale Beziehung zu dieser zu gewinnen.



Beide sind häufig zusammen in den Landschaften Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs und versuchen, ihre Wahrnehmung künstlerisch zu verarbeiten. Während Evelyn die Malerei wählt, begibt sich Egbert Buchberger mit der Kamera auf die Suche. Dabei, sagt er, sei es das Zufällige, das er versucht einzufangen. Seine Fotografien laden dazu ein, genauer hinzuschauen. Auf den ersten Blick zeigen sie vertraute Landschaften bzw. Ausschnitte. Doch wer innehält, entdeckt das Unerwartete: Spiegelungen, die einen See vortäuschen, der gar nicht existiert, oder Lichteinfall, der das Gewöhnliche verfremdet. Es ist eine Fotografie des Innehaltens, des zweiten Blicks – und damit das visuelle Pendant zu Evelyn Buchbergers malerischem Entdecken.
Alle Fotos: © Egbert Buchberger
Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Juni in den Schweriner Höfen zu sehen, montags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 19 Uhr.
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