Ein verlorenes Landschaftszimmer kehrt zurück

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Von Peter Scherrer

Gestern war es endlich so weit: Das Künstlerhaus Schloss Plüschow präsentierte der Öffentlichkeit die wiederentdeckte historische Wandbespannung des Landhauses nahe Grevesmühlen. Der große Saal war reichlich mit kultur- und geschichtsinteressierten Besucher*innen gefüllt. Die aufwendig restaurierte, barocke Wandbespannung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Zeugnis der Frühzeit des Schlosses. Der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich Freiherr von Stenglin erwarb im Jahre 1758 das Gut als Sommersitz. Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte der mecklenburgische Erbprinz Friedrich Ludwig das Gebäude und die dazugehörenden Ländereien. 

Harald Qualmann hat den Kunstschatz gerettet (Foto: © Peter Scherrer)

1990 entdeckte der Bauarbeiter Harald Qualmann die Fragmente der Wandbespannung unter Bauschutt in einem Nachbargebäude. Die kunsthistorisch wertvollen Stücke waren zuvor als Dämmmaterial zweckentfremdet worden – ein Schicksal, das viele Kunstschätze in bewegten Zeiten ereilte. Harald Qualmann sorgte dafür, dass das Kunstwerk nicht auf der Deponie landete. Die Fragmente fanden durch ihn ihren Weg in die Obhut des Förderkreises Schloss Plüschow. Über 30 Jahre war das Kunstobjekt in der Versenkung, in einer Garage verschwunden, bevor es vor zwei Jahren wieder ans Licht kam.

Barocke Pracht und moderne Kunst

Die Wandbespannung, die eine Hafen- und Landschaftsszene darstellt, stammt aus einem barocken Landschaftszimmer des Schlosses. Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege, erläuterte bei der Eröffnung die historische Bedeutung des Fundes. Die Ausstellung wird durch künstlerische Beiträge der Zeichnerin Juliane Laitzsch bereichert, die sich in ihren Werken mit den Fragmenten auseinandersetzt und so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.

Engagement und Unterstützung

Miro Zahra, Leiterin des Künstlerhauses Schloss Plüschow, betonte die Bedeutung des bürgerlichen Engagements für die Rettung und Präsentation des Kunstwerks. „Ohne die Aufmerksamkeit von Harald Qualmann und die jahrzehntelange Fürsorge vieler Beteiligter wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen“, so Miro Zahra.

Die Ausstellung im Schloss Plüschow ist bis zum 7. Juni 2026 geöffnet. Danach soll das Tapetenfragment h dauerhaft in den Ausstellungsräumen des Künstlerhauses zu sehen sein.

(Fotos: @ Peter Scherrer)

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