Hereinspaziert zum „Tag der offenen Tür” im Klützer Winkel
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Von Peter Scherrer
Am kommenden Samstag lädt der Sammler Reinhard Conny Konzack zum Saisonfinale in die Kunsthalle Klützer Winkel ein. Gelegen im Dorf Gutow, direkt an der Hauptstraße, zeigt er in den großzügigen Präsentationsräumen Bilder, Graphiken und Installationen aus seiner umfangreichen Kollektion. Internationale Stars wie Christo & Jeanne Claude, Richard Serra, Markus Lüpertz und Jörg Immendorf finden sich dort ebenso wie Arbeiten von Künstler*innen aus Mecklenburg, wie Anke Weßling, Susanne Gabler und Udo Rathke. Die meisten Werke hat der 76jährige ehemalige Punker in seiner Berliner Zeit erworben. Peter Scherrer hat ihn zu Hause besucht, das nur 100 Meter von seiner Kunsthalle entfernt liegt. Wie fing das an mit seiner Sammelleidenschaft?

Kunstsammler durch Zufall
„Durch Zufall bin ich zum Sammeln gekommen. Bei der Renovierung meiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg war ich in der Knesebeckstraße, wo es einen wunderbaren Möbelladen gab, der auch junge Künstler präsentierte – etwa Dirk Sommer und Peter Büchler. Von denen habe ich meine ersten Werke gekauft. Über sie lernte ich Jürgen Zumbrunnen kennen, und nach und nach kamen immer mehr Bilder dazu. Das Ende vom Lied war: 2008 wurde mir bei einem Seminar für Galeristen bewusst, dass ich Sammler geworden war. Ich hatte schon so viele Werke, dass sie gar nicht mehr in eine Wohnung passten. Da habe ich eine Stiftung gegründet, damit die Sammlung nicht verloren geht. Denn die Sammlung lebt ja ewig.“



Wer findet wen?
„Das Werk muss mich ansprechen. Ich sage: Nicht ich finde die Kunst, die Kunstwerke finden mich. Es ist unwichtig, ob es ein bestimmter Stil ist oder ob der Künstler einen Namen hat. Erste Berührung mit Kunst? Da waren z.B. die großen Metallarbeiten von Richard Serra, die in einem Hafen zwischen den Schiffen standen. Angefangen habe ich aber erst Mitte der Achtzigerjahre. In der Regel habe ich direkt bei den Künstlern im Atelier gekauft – daraus ergaben sich persönliche Beziehungen zu den Künstlerinnen und Künstlern, zu den Werken und zur bildenden Kunst.“
Kunst ist für alle da!
„Ich habe die Kunst für mich gesammelt, das ist richtig. Aber ich will sie nicht nur im Lager haben – deswegen habe ich Räumlichkeiten, damit ich sie mir ansehen kann. Ich bin stolz auf das, was ich gesammelt habe, und will gern auch anderen ermöglichen, sich das anzugucken. Man kann ja miteinander ins Gespräch kommen. Manche Sammler lassen niemanden rein – das ist doch Blödsinn.“

Von Mai bis Oktober – Kunst offen
„2017 sind wir von Berlin bzw. von Flecken Zechlin bei Rheinsberg hier nach Mecklenburg gezogen. Da habe ich die erste Halle angemietet und später gekauft und meine Sammlung wieder gezeigt. Die Halle ist immer von April bis Oktober geöffnet, jeweils am ersten Sonntag im Monat, vormittags und nachmittags. Ansonsten kann man jederzeit anrufen oder mich anmailen – dann mache ich auf. Also prinzipiell jederzeit öffentlich, man muss sich nur mit mir verabreden.“
Gesammelt fürs Leben
Conny Kozack behält auch nach all den Jahren den Überblick über seine Werke. „Verkauft? Nie. Ich kaufe, weil ich es gut finde und haben will – dann bleibt es in meinem Besitz. Das sind inzwischen um die 400 Werke.“

Vor zwei Jahren erlitt der 1950 in Neukölln geborene „Conny“, wie er in Künstlerkreisen bekannt ist, einen Schlaganfall. Ihn beschäftigt die Zeit, wenn er sich nicht mehr um seine Kunst kümmern kann. „Solange ich lebe, existieren die Werke, solange ist auch die Halle da. Ich kann sie bis zu meinem Lebensende nutzen plus ein Jahr. Ein Künstler, der inzwischen ein Freund geworden ist, ist dieses Jahr in den Stiftungsvorstand aufgerückt. Wenn ich nicht mehr bin, führt er sie weiter. Ich hoffe, dass die Sammlung noch so lange wie möglich hier bleibt. Ich habe meine Werke der Stiftung überantwortet und zahle die laufenden Kosten, damit die Halle genutzt werden kann.“

Berlin – wo alles anfing
Bevor Conny Konzack zur Kunst fand, prägte er die Berliner Musik- und Kulturszene: 1975 übernahm er das heruntergekommene Kant-Kino in der Berliner Kantstraße und wandelte es in ein Programmkino und einen Konzertsaal um. Über die Konzerte wurde es schnell zu einer legendären Spielstätte der aufkommenden Punk- und New-Wave-Szene. Von 1979 bis zur Auflösung 1983 managte er die NDW-Band Ideal; von 1983 bis 1996 führte er die Geschäfte der hit & run promotion GmbH. Er betreute danach Bands wie Die Ärzte, DÖF, Humpe & Humpe und Extrabreit. Zuvor hatte er mit der Albatros Concert GmbH Konzerte von der Waldbühne bis vor den Reichstag organisiert. 1989, als die Mauer fiel, produzierte er mit der Zetka Show & Concert GmbH das „Konzert für Berlin“. Daraus entstand ein Dokumentarfilm, der 1990 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin Premiere feierte. Bis 2001, als er sich aus dem Berufsleben zurückzog, arbeitete er im Merchandising und Eventmarketing.
In der Kunsthalle Klützer Winkel in den neuen Räumen in Gutow, Hauptstraße 14, ist die Sammlung Konzack am Samstag, den 31. Oktober 2026, von 15 bis 18 Uhr letztmals in dieser Saison für Besucher*innen geöffnet. Ab dem 4. Mai 2027 geht es wieder los, regulär an jedem ersten Sonntag im Monat von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter rck-kunststiftung.org – auch zu den privaten Räumen des Sammlers, die nach Absprache ebenfalls besichtigt werden können.