Linda Perthens Schichtbilder aus Öl und Acryl in Schwerin
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Von Til Rohgalf
Für die Ausstellungsreihe „Im kleinen Rahmen“ zeigt die Künstlerin Linda Perthen seit Donnerstag aktuelle Werke im Schweriner Co-Working Space „tisch“. Dem Kulturkompass MV gab die Künstlerin vor der Vernissage Einblicke in ihre Arbeit und die Ausstellung.
In ihrer Malerei verbindet Linda Perthen abstrakte Formen mit organischen Elementen. In einer charakteristischen Schichttechnik trägt sie Acryl- und Ölfarben lagenweise auf. So entstehen ausdrucksstarke, oft rätselhafte Bildräume – „utopische Landschaften“. „Räume, in denen wir zum Nachdenken kommen“, präzisiert sie.

Linda Perthen, 1981 in Neubrandenburg geboren, studierte zunächst Kunst und Philosophie an der Universität Greifswald, bevor sie an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig wechselte, wo sie zur Meisterschülerin avancierte. Nach weiteren Stationen zog es sie nach Penzlin, einem Ort in der Mecklenburgischen Seenplatte. Hier lebt und arbeitet sie. Eine Entscheidung, die sie sowohl privat als auch für ihre Arbeit für wichtig hält: „Sobald ich Gewässer in meiner Nähe habe, fühle ich mich wohl“, verrät sie. „Für meine Kinder und mich ist dieser Ort perfekt, weil wir jeden Tag in der Natur unterwegs sein können. Hier kann ich mich besser konzentrieren als im Großstadttrubel. Ich habe ein paar Jahre in Berlin gelebt, aber dort sind nicht so viele Bilder entstanden wie beispielsweise in Greifswald. Es gehört immer ein bisschen ‚Abgeschiedenheit‘ und ‚Langeweile‘ dazu, um in den künstlerischen Prozess zu kommen, vor allem aber Zeit.“
Die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns ist dabei eine Inspirationsquelle für die Künstlerin. Für die Ruhe, die kreative Prozesse freisetzt, besucht sie gern die Küstenregionen und die Inseln des Landes – Fischland-Darß, Rügen, Hiddensee, Usedom, Poel. „Faszinierend finde ich das Licht auf dem Darß und auf Rügen, weil es sich urplötzlich verändern kann. Aus der tiefsten Dunkelheit einer Gewitterwolke folgt ein lichtdurchflutetes Wolkenmeer.“ Nicht zufällig erinnern diese Ausführungen an Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich. Es seien die „Melancholie und die künstlerische Freiheit“, die sie an diesen Größen für ihre eigene Arbeit inspiriere.

An ihren Öl- und Acrylbildern arbeitet Linda Perthen manchmal Tage, manchmal Wochen. Sie trägt Schicht um Schicht auf, bis der „malerische Prozess entscheidet, wann ein Werk vollendet ist“. Das „Herausarbeiten eines Bildes“, wie die Künstlerin den Prozess des Schichtens nennt, überrascht Linda Perthen immer wieder: „Minimale Veränderungen, wie eine einzige Linie, können einem Bild eine ganz andere Wirkung verleihen.“

In ihrem künstlerischen Schaffen ist sie nicht auf die Malerei beschränkt. Sie beschäftigt sich ebenso mit Videokunst, Fotografie, Grafik, Zeichnungen und Collagen. Für Linda Perthen ist dieser Mix ein natürliches Resultat ihrer Arbeitsweise: „Die Kamera ist für mich ein Werkzeug, um Ideen und Eindrücke zu sammeln. Fotografische Skizzen und Filmsequenzen begleiten und beeinflussen meine Malerei und Grafik. Ebenso das Zeichnen und das Erstellen von Collagen wirken sich auf meine seriellen Malereien aus. Für mich hängen alle Medien miteinander zusammen.“
In der Ausstellungsreihe „Im kleinen Rahmen“ zeigt sie Bilder, die während oder nach ihrem Aufenthalt in der Artist Residency auf BlåØ (Gedser, Dänemark) entstanden sind. Sie beschreibt diese Zeit in dem Künstlerhaus zwischen Februar und August 2026 als eine außerordentlich produktive: „Ich konnte dort frei arbeiten und viele neue Inspirationen sammeln.“
Ein Fokus liege dabei ungeplant auf Bilderserien, wodurch sie auch das Prozesshafte ihrer Arbeit akzentuiert sieht: „Seltsamerweise sind dort einige Bildpaare bzw. Diptychen entstanden. Mich interessiert unter anderem, wie sich Bilder gegenseitig beeinflussen, wie eine Abfolge oder Anordnung von Malereien Stimmungen erzeugen kann. Ich verstehe Malerei nicht als endgültiges Resultat einer Aufgabe, die man sich selbst aufgibt, sondern als eine Art Versuchsanordnung.“
Linda Perthen schätzt unkonventionelle Ausstellungsorte wie den „tisch“, hat bereits im Rahmen von „Kunst offen“ in Kirchen, Gutshäusern und Schlössern ausgestellt. Es sei „eine bereichernde Erfahrung und oftmals haben sich daraus neue Projekte ergeben“.
Die Ausstellung ist noch bis zum 23.10. im Schweriner Co-Working Space „tisch“ zu sehen.
(Alle Fotos: @Peter Scherrer)
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