„Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen.“ Wie gefährlich ist die AfD?

Lesung und Gespräch mit dem Autor Hendrik Cremer

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Von Gottfried Timm

Der Mecklenburgische Kirchenkreis hatte zu einer Veranstaltung über den Umgang mit der AfD nach Schwerin in den Wichernsaal eingeladen. Auf dem Podium saß neben dem Buchautor der Leiter des Projektes „Kirche stärkt Demokratie“, Karl Georg Ohse. In der Begrüßung unterstrich Markus Wiechert, Beauftragter der Nordkirche bei der Landesregierung, dass „demokratische Grundwerte und christlich-soziale Verantwortung für die Kirche zusammengehören“. Die Einladung sei zustande gekommen, weil man Argumente teilen wolle, die die Menschen in ihrem Einsatz für die Demokratie übernehmen können, so Ohse. 

Die Gefahr, die von der AfD ausgehe, werde weithin nicht erkannt, begann Hendrik Cremer. Deshalb jetzt das Buch – nachdem er über Jahre zur Entwicklung der AfD gearbeitet habe. Angetrieben habe ihn, ein Informationsangebot für alle anzubieten, denen unsere Demokratie nicht egal ist.

Ohse leitete durch die Buchvorstellung mit gezielten Fragen an den Autor.

Die AfD vertrete Positionen, die sich im Kern gegen das Fundament unserer Demokratie richteten, so Cremer. Sie stelle Artikel 1 des Grundgesetzes in Frage, der die Menschenwürde garantiert und das Ziel jeden staatlichen Handelns markiert. Nicht nur dieses Grundrecht werde angegriffen, sondern auch die von ihm abgeleiteten Grundwerte wie die Demokratie als Staatsform und die Rechtsstaatlichkeit. Auch die Pressefreiheit sei in Gefahr.
Autor Hendrik Cremer (Foto: © Anke Illing)

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Während der Nationalsozialismus im 20. Jahrhundert die „Rasse“ zum höchsten Wert erhoben hatte, argumentiere die AfD heute mit dem Begriff der Kultur, die zu schützen sei. Eine homogene Volksgemeinschaft brauche eine einheimische Kultur. „Passdeutsche“ gehörten dieser deutschen Kultur nicht an.

Es meldete sich ein Zuhörer: Er habe seit vier Monaten einen deutschen Pass und frage sich, ob er etwas zu befürchten habe. Cremer: Wenn statt Recht und Gesetz in den Behörden Willkür einziehe, sei die Gefahr real.

Nach Cremers Beobachtung diffundiere die AfD durch Selbstverharmlosung und eine gezielte Opferinszenierung in die Gesellschaft hinein. Dies habe sich gezeigt, als sie sogenannte „Meldeportale“ eingerichtet hatte. Wenn in der Schule Kritisches über diese Partei zur Sprache kam, sollte dieser Vorgang über die Portale angezeigt werden. Auf diese Weise geriere sich die AfD als Opfer und streue Unsicherheit unter der Lehrerschaft über den Umgang mit ihr. 

Die Schulen würden häufig eine entschiedene Abgrenzung von Äußerungen der AfD vermissen lassen. Denn nicht beachtet werde, dass das Neutralitätsgebot strikt an das Grundgesetz gebunden ist. Genau dieses wolle die AfD beseitigen. Die Schule habe die Pflicht, Partei für die Menschenwürde zu ergreifen, die im Grundgesetz verankert ist.

Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass sich die Wählerinnen und Wähler ihre Parteien auch heranzögen. „Der Schoß ist fruchtbar noch.“ Cremer wies noch einmal darauf hin, dass er deshalb das Buch geschrieben habe: als Informationsangebot an alle, die sich von der gegenwärtigen Bedrohung durch die AfD herausfordern lassen.

Titel: v.l.n.r.: Karl Georg Ohse, Hendrik Cramer und Markus Wiechert (Foto: © Gottfried Timm)
Cremer, Hendrik: Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen. Wie gefährlich die AfD wirklich ist. Piper-Verlag München, 2025.

Am 20. März liest Hendrik Cremer in der Alten Kachelofenfabrik / Neustrelitz aus seinem Buch.

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Gottfried Timm, geboren und aufgewachsen in Mecklenburg, ehemaliger Pastor und Innenminister in MV, SPD – Mitglied, engagiert sich für den Klimaschutz, ist leidenschaftlich gern auf dem Wasser, lebt in Schwerin.
 
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