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Von Peter Scherrer
Krieg und Frieden gehören zu den grundlegenden Gegensätzen der Menschheitsgeschichte und prägen bis heute Politik, Gesellschaft und individuelles Leben. Im Flandernbunker in Kiel lotet die Ausstellung „Krieg & Frieden“ genau diesen Spannungsbogen aus. Sie fragt nicht nach historischen Daten, sondern nach dem Handeln: Was treibt Gewalt an? Was ist Frieden und was hält Frieden lebendig?
Ein ehemaliger Bunker als Ort kultureller Begegnungen
Der Flandernbunker ist ein ehemaliger Marine-Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Verein „Mahnmal Kilian“ hat diese Kriegsruine als Ort der Bildung und der Völkerverständigung etabliert. Sie ist Bildungs-, Kultur- und Gedenkstätte und dient als Ausgangspunkt für anschaulichen Geschichtsunterricht. Als Ruine dokumentiert der Bunker Kriegswahnsinn und die unabwendbar daraus folgende Niederlage zugleich. Der Flandernbunker befindet sich in Kiel-Wik an der Kiellinie, Eingang Marinehafen.

Besucher*innen können sich zwischen den Extremen Krieg und Frieden bewegen: Auf der Seite des Krieges sind drei Installationen sichtbar. Das „Räderwerk des Krieges“ soll die Mechanismen zeigen, wie Kriege entstehen. Dann gibt es ein „Minenfeld“ und eine „TÜV-Konflikt-Station“.
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Der Gegenpol Frieden zeigt einen „Friedensbaum“ als Symbol für Hoffnung. Das „Mobile der Zivilisierung“ symbolisiert das Fragile des Gleichgewichts, und die Installation „Friedensverhandlungen“ steht für die Prozesse der Verständigung. Eine zentrale Stellwand zeigt, dass Gewalt kein naturgegebenes Schicksal ist – Alternativen existieren.

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Ergänzend weitet die Ausstellung den Blick auf globale Themen: Hunger, Klimawandel, Aufrüstung. Großformatige Infotafeln und eine Pro-und-Contra-Debatte verbinden politische Gegenwart mit künstlerischer Reflexion. Für den ästhetischen Akzent sorgt der Künstler Wolf ART mit seinen Acrylmalereien. Wolf ART, so nennt sich Wolfgang R. Vogt, Soziologe, Friedens- und Konfliktforscher. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Fragen von Gewalt, Frieden und gesellschaftlichem Wandel.
Prof. Dr. Wolfgang R. Vogt bei der Ausstellungseröffnung
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Zusammen mit seiner Frau, der Psychologin Ortrun Venth-Vogt, gründete Wolfgang R. Vogt das „Kulturforum Pampin“. Im Süden Mecklenburgs gelegen, verknüpft der Ort seit fast 20 Jahren Kunst mit Friedenspolitik. Die beiden Kulturförderer haben auf dem weitläufigen Gelände einen Skulpturenpark aufgebaut. Sie kuratieren Ausstellungen und initiieren Projekte, die Themen wie Gewaltprävention, Konfliktbearbeitung und eine „Kultur des Friedens“ mit künstlerischen Mitteln umsetzen. Diese langfristige Arbeit an der Schnittstelle von Forschung, Kulturpraxis und politischer Bildung spiegelt sich in Vogts künstlerischem Alter Ego Wolf ART wider.

Der „Bunker“ liegt dem Künstler und Wissenschaftler sehr am Herzen, „da er gut die Atmosphäre des Endes kriegerischer Konflikte widerspiegelt“, so Wolfgang R. Vogt. Er wird am 5. März im Flandernbunker über seine Erfahrungen mit Politiker*innen und am 1. April über seine Erlebnisse während der Flucht und Vertreibung sprechen. „Krieg & Frieden“ ist eine Ausstellung, die dazu auffordert, eine Meinung und auch Haltung zwischen Eskalation und Verständigung zu finden. Die Präsentation ist bis zum 6. April 2026 im Flandernbunker, Kiellinie 249, 24106 Kiel, zu sehen.